So wie es auf Zypern immer alles zweimal gibt, im Norden und im Süden, gibt es auf der Insel auch zwei Eisenbahnmuseen, eines im Norden und eines im Süden. Das im Norden dürfen wir mit dem Süd-Mietwagen nicht ansteuern, bei dem im Süden machen wir natürlich einen Stopp. Als die Engländer die Eisenbahn einst bauten, gab es auf der Insel noch keine Grenzen... Vom Hafen in Farmagusta in die Hauptstadt Nikosia und weiter nach Evrykhou dampften einst mit bis zu 25 Meilen pro Stunde Schmalspurdampfloks britischer Bauart. Das war natürlich nicht mehr konkurrenzfähig, als das Automobil aufkam, und so war schon Anfang der 50er Schluss mit Eisenbahn auf Zypern. Der Endbahnhof Evrykhou wurde sogar nur 17 (!) Jahre lang bedient, von 1915 bis 1932. Nach aufwendiger Sanierung beherbergt er heute ein hübsches Museum, das die Geschichte der Eisenbahn auf der Insel ausführlich darstellt. Aus nicht nachvollziehbaren Gründen ist heute sogar der Eintritt frei.
Ein schönes Museum, aber noch lieber als ein Eisenbahnmuseum wäre mir natürlich, wenn wir jetzt auf die Eisenbahn umsteigen könnten. Die immer wieder aufkommenden Pläne für eine moderne Eisenbahn auf Zypern wurden aber noch nicht umgesetzt, wir müssen mit dem Auto weiterfahren 🤷♂️






Im Eisenbahnmuseum gab es eine Infotafel zur Dampflokomotive Nummer 1, die einst auf Zypern im Dienst war. Samt der Info: sie steht heute als Denkmal in Famagusta im Nordteil der Insel. Dahin machen wir am nächsten Tag einen Ausflug. Nach dem Besuch in der Geisterstadt Varosha haben wir ein Taxi gesucht und gefunden - und ich hatte nun drei Aufgaben: 1. Taxifahrer Murat erklären, zu welchem Grenzübergang wir müssen. 2. Verhandeln, dass wir mit unseren verbleibenden Lira als Festpreis fahren können. 3. Ihm erklären, dass ich auf dem Weg zur Grenze einen kurzen Fotostopp an der Dampflok am alten Bahnhof machen will. 1. Ist kein Problem. 2. Geht nicht, er verweist auf den Taxameter. Aber soll mir Recht sein, mit Taxameter zahlen wir bestimmt nicht nochmal 20€ wie auf der Hinfahrt. 3. Wird die Challenge: er hat keine Ahnung, wo die Dampflok ist und kann scheinbar auch keine Karte lesen. Nach langer Diskussion, auch mit anderen Taxifahrern, und gemeinsamer Recherche kann die Fahrt endlich losgehen. Das Taxameter ist derweil schon gelaufen und zeigt schon fast so viele Lira an, wie wir noch haben... Die ganze Fahrt über kommunizieren wir über seine Translate-App: er quatscht türkisch auf sein Handy ein, wir lesen die deutsche Übersetzung, sagen "Yes" und lachen. So geht das wirklich die ganze Zeit. Er ist enttäuscht, dass wir keine Kinder haben, kann nicht verstehen, dass wir in Agia Napa übernachten, obwohl wir keine Singles mehr sind und schwärmt von seiner Pharmazie studierenden Tochter. Und macht die Engländer für alles Leid auf der Insel verantwortlich (womit er gar nicht so Unrecht hat, aber that's another cup of tea...). Nebenbei fragt er sich durch zur Dampflok. Offenkundig hatte er keine Ahnung, dass es sie gibt. Er telefoniert. Und auf einmal kann er mit ganz vielen Hintergrundinfos zur Eisenbahn in Zypern glänzen (die nicht stimmen, die Eisenbahn wurde nicht erst 1974 mit Teilung der Insel stillgelegt, sondern schon 1951, aber egal, wir nicken eifrig und bedanken uns für die Infos). Bei der Dampflok gibt es den gewünschten Fotostopp. Es gibt auf Zypern leider keine Eisenbahn mehr. Aber wir haben sie gesehen.




