DART und LUAS - Mit der (Straßen)Bahn durch Dublin

Mein Onkel Wolfgang hat mir mal die Jahrgänge 1982ff. des eisenbahn-magazins vermacht. Ich erinnere mich noch, dass darin von den Bauarbeiten zu Errichtung einer S-Bahn entlang der Küste von Dublin (Dublin Area Rapid Transit - DART) berichtete wurde. Eröffnet wurde diese 1984 mit Zügen von Linke-Hofmann-Busch aus Salzgitter. Die Firma gibt es längst nicht mehr (bzw. heißt heute Alstom Deutschland), die Züge fahren heute noch (werden aber bald abgelöst). Ich hatte gerade das Vergnügen, mit einem der bequemen Oldies von Dublin nach Dún Laoghaire zu fahren - das ist zufällig die älteste Bahnstrecke Irlands, 1834 eröffnet, also ein Jahr älter als die älteste deutsche Bahnstrecke. Und das sieht man den alten Stationsgebäuden und Brücken an. Erst geht es auf einem Viadukt mitten durch Dublin, später fährt man mehrere Kilometer direkt an der Küste entlang. Beim heutigen Traumwetter sind alle Fenster geöffnet, sodass es im Triebwagen intensiv nach Meer riecht. Herrlich!

In Dún Laoghaire könnte ich ewig bleiben und die Piers entlang zu den Leuchttürmen spazieren - einen überteuerten Mokka später entscheide ich mich dann aber doch zur Weiterfahrt. Doppelstockbus, erste Reihe oben, mit Blick auf die Wicklow Mountains. Könnte schlimmer sein. Der Bus 7 bringt mich zur südlichen Endstation der LUAS. Luas ist irisch und bedeutet „Geschwindigkeit“. So nennt man die Straßenbahn, die es seit 2004 in Dublin wieder gibt. Die Red Line bin ich bei meinem ersten Dublinbesuch vor 11 Jahren schon gefahren, heute ist die Green Line dran. Mehr Linien gibt es nicht: die irische Hauptstadt Dublin verfügt über eine S-Bahn- und zwei Straßenbahnlinien. Eine U-Bahn gibt es nicht. Die eine S-Bahnlinie ist übrigens die einzige elektrifizierte Bahnstrecke des Landes. Nicht nur die Architektur, auch die Qualität des ÖPNV erinnert hier also sehr an die USA.

Die Green Line führt auf einer alten Bahnstrecke mit vielen Viadukten durch die südlichen Suburbs. Der Bauboom der Celtic Tiger-Jahre hat hier voll zugeschlagen - und noch immer wird hier ein Immobilienprojekt nach dem anderen hochgezogen. Mehrere LUAS-Stationen wurden schon gebaut, werden aber noch nicht bedient, weil die Bebauung außenrum noch fehlt. Große Schilder „Platform closed - Do not stop“ erinnern den Fahrer daran, dass er nicht anhalten soll. In der Innenstadt muss der Fahrer dann doch häufiger anhalten - die Schnellstraßenbahn wird zur Schnecke und hängt im Verkehr fest, wenn auch nicht gar so schlimm wie die Busse, die in Dublin gegenüber Zufußgehen oftmals einen Komfortgewinn, aber keinen Zeitgewinn bedeuten. Auf der Innenstadtschleife sehe ich zufällig Julia, die statt Straßenbahngegurke eine Free Walking Tour macht. Wir winken uns zu, dann gurke ich weiter.

Nach einer Pause in einem grandiosen Buchladen, in dem ich Tage hätte verbringen können, fahre ich noch den letzten Streckenast nach Broombridge. Dort liegen nebeneinander Straßenbahn-Endstation, Eisenbahn-Bahnhof, Kanal und „Greenway“ (Rad- und Fußweg). Also alles, was man braucht. Mit der Eisenbahn fahre ich zurück in die Stadt. Von der tollen Viaduktstrecke sehe ich alte Arbeiterwohnviertel und die modernen Docklands. Den schönsten Blick auf Dublin hat man nur von der Dachbar des Guinness Storehouse, aber den zweitschönsten hat man aus der Eisenbahn.

Nach knapp vier Stunden schließt sich an der Connolly Station der Kreis, ich bewundere wieder die alte britische Bahnhofsarchitektur und beende mein Puffergeküsse. Schön war's.